Kirche „in Ketten“

Unsere Kirche, “New Life Church”, entstand aus der Gefängnisarbeit im Lemberger Hochsicherheits-Gefängnis. Daher ist noch immer eines unserer Hauptanliegen, den benachteiligten Häftlingen aus unserer Region zu dienen. Was ein Mann begann, ist nun zu einem Team von etwa fünf Personen pro Gefängnis gewachsen.

Es wird gesagt, der Apostel Petrus erhielt die Schlüssel zur Pforte der Hölle - heute habe ich die Schlüssel zur "Hölle" in meiner Hand: die Zellenschlüssel zu den zu lebenslanger Haft Verurteilten.

Seit Jahren helfen wir auch den Kindern inhaftierter Menschen, die, auf sich allein gestellt, oft den gleichen Weg einschlagen, wie ihre Eltern. Nicht selten treffen wir die Kinder und ihre Eltern im gleichen Gefängnis an. Zusammen mit „Door of Hope“ helfen wir zurzeit 62 Kindern. Wir geben ihnen Kleidung und jeden Monat das Nötigste an Lebensmitteln, Hygieneprodukten und Medizin. Zudem helfen wir ihnen bei Rechtsfragen und der Suche nach einer Arbeit.

Durch die generell schwierige Situation in der Ukraine sind auch die Herausforderungen in den Gefängnissen nicht geringer. Die Inhaftierten haben nicht selten weder Kleidung noch Schuhe oder Lebensmittel, auch sind Medizin und Hygieneartikel rar.


Eine große Hilfe dabei ist Pastor Hans, der uns von Gott geschenkt wurde und eine große Hilfe ist bei der Beschaffung und Verteilung von Kleidung, Lebensmitteln, Geschirr, Betten und christlicher Literatur. All das können wir mit dem Gefängniskrankenhäusern, den Häftlingen, Waisen und jugendlichen Straftätern teilen.

So gern viele der Häftlinge auch im Krieg im Osten der Ukraine dienen würden, das Gesetz lässt es nicht zu. Und nun, trotz ihrer unbequemen Lebensbedingungen, den beengten Zellen, Hunger, Dunkelheit und fehlenden Materialien, haben sie eine Aufgabe gefunden. Sie sticken. Sie sticken verschiedene Bilder und Designs und geben diese Werke weiter an die, die frei sind und an vorderster Front kämpfen.

Es ist schon kurios, durch die kleinen Fenster ihrer Zellen zu schauen und sowohl auf dem unteren als auch auf dem oberen Etagenbett die Männer sticken zu sehen. Jedes Mal wenn wir sie besuchen, fragen sie nun weniger nach Essen oder Kleidung, sondern immer wieder nach Sticknadeln und Garn.

 

Diese Kirche liegt zwar augenscheinlich in Ketten, und doch sind sie frei und alle ein Teil von uns, der New Life Church in Lemberg. Sie haben Frieden mit Gott geschlossen und warten auf ihre Taufe und die Teilnahme am Abendmahl.

 

Ein sehr ungewöhnliches aber sehr schönes Erlebnis handelt von Georhiy. In der Ukraine ist er bekannt als ein hervorragender Killer, und von Larissa, einer Frau aus New York. Er sitzt lebenslänglich, und hier hat er zu Gott gefunden. Noch immer ist er überwältigt von der Veränderung, die in seinem Leben stattgefunden hat. Ein Brief von seiner Frau, nach 20 Jahren ohne Kontakt, lässt ihn über die Macht des Gebets staunen. Jahrelang hat sie weit entfernt aus Amerika für ihn gebetet.

“Lieber Dzora,

so wie ich dich damals immer genannt habe, vor 32 Jahren, als ich noch deine Frau war.

Vielleicht kommt es dir seltsam vor, dass ich dir schreibe, aber ich möchte etwas sehr Wichtiges mit dir teilen. Über die Jahre hat sich mein Leben komplett geändert. Ich war so lange auf der Suche nach Zufriedenheit, jedoch ohne jeglichen Erfolg.

Als ich durch die verschiedenen Länder gereist bin, kam ich an einer kleinen Kirche vorbei. Es fühlte sich an, als ob Gott selbst mich dort hinein gezogen hat. Ich erfuhr dort von Jesus und dass er für mich persönlich gestorben ist. Er hat mir alles vergeben und meine Sichtweise auf mein Leben völlig geändert. Das war 1996 in New York und ich wurde im Atlantischen Ozean getauft. Die Kirche wurde meine neue Familie und Gott hat mich durch viele Prozesse und Situationen hindurchgeführt – mit ihm war es irgendwie einfach.
Im August 2000 habe ich den tiefen Drang verspürt für dich zu beten. Das war der Heilige Geist, der mir die Worte in den Mund legte und ich habe viele Tränen vergossen während des Betens.

2001 bin ich in die Ukraine gereist, um dich zu finden. Ich wollte dir einfach von dem lebendigen Gott erzählen, den ich kennengelernt habe. Aber ich konnte dich nirgends finden. Auch von deinen Verwandten in Kiew war keiner da.
So reiste ich etwas enttäuscht und traurig zurück nach New York und betete immer wieder für dich. Sieben Jahre lang, auch wenn ich nichts über dich erfahren habe. Auf meine Frage an Gott warum ich das machen sollte, bekam ich drei Tage später eine Antwort. Es war unglaublich für mich, als ich die Tageszeitung von Kiew in der Hand hielt und dort dein Foto zusammen mit deinem Namen und dem Titel „Killer Nummer 1“ fand. Der Artikel handelte von deinem Leben und was du erlebt hast. Besonders aber hattest du darin aufrichtig von Gott gesprochen. Das war für mich die Bestätigung, dass Gott treu ist! Darüber begriff ich, dass du mein Bruder in Christus warst.


Ich möchte dich um Vergebung bitten, für alles Übel, dass ich ausgelöst habe. Für all die Lügen und dass ich dich nicht glücklich gemacht habe. Für das Kind, dass ich nicht behalten habe.

Verzeih mir. Bitte vergib mir.

Schwester Larissa”

Für Larissa war es ein langer steiniger Weg zurück zu Georhiy. Jetzt sind sie trotz der widrigen Umstände, in denen ihre Trauung im Gefängnis stattfand, den Bund der Ehe erneut eingegangen.

 

Nach der Hochzeit entschied sich Larissa auch dazu, nach Lemberg umzuziehen, um ihrem Geliebten Georhiy näher sein zu können.   

Bitte betet für die, die im Gefängnis zu Jesus finden. Und auch für die, die wieder frei kommen. Betet auch für ihre Angehörigen, dass sie begreifen, was in ihrem Leben passiert ist.

 

Gerne könnt ihr uns auch helfen indem ihr uns farbiges Stickgarn zukommen lasst.

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